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Ein Grundbucheintrag aus dem Jahre 1762 dokumentiert, dass damals der Johann Michael Aniser als Besitzer von 11a ein Saatfeld erwarb. Aniser dürfte demnach ein Landwirt gewesen sein und somit das Haus noch in der ursprünglichen Betriebsart geführt haben. Johann Michael Aniser besaß 11a über 40 Jahre lang. Die "Feurordnung" des Marktes Sonthofen von 1755 dokumentiert, dass er zudem in der Löschmannschaft der Feuerwehr von Sonthofen war. Zur Jahrhundertwende trat Josef Wiestner mit seiner Frau die Besitznachfolge an. Als Josef Wiestner 1813 starb, erfolgte der Alleineigentumseintrag auf seine Witwe. Noch im selben Jahr erwarb Nagelschmied Franz Joseph Wittwer den Gebäudeanteil 11a. 6 Jahre später segnete auch Franz Josef Wittwer das Zeitliche und seine Witwe Kreszentia Marie wurde 1819 als Eigentümerin in den Grundbüchern verewigt. Der Besitzer des Anwesen 11b, Joseph Ueth, war Maurer und, ebenso wie Aniser, mit der ehrenvollen Aufgabe eines Feuerwehrmannes betraut. Über ihn ist aus dem bislang ältesten bekannten Eintrag des Jahres 1754 zu lesen, dass er damals den Tod seiner Ehefrau zu beklagen hatte. Aus jenem Anlass gab er seinem Sohn Sebastian das notariell besiegelte Versprechen, dass er ihm am Tage seiner Heirat einen Teil des Eigentums überschreiben würde. Immerhin ganze 11 Jahre lang musste der alte Ueth warten, bis sein Stammhalter die Richtige, Anna Marie, gefunden hatte. Der entsprechende Eigentumsvermerk von 11b auf Sebastian Ueth folgte im Jahre 1765. Sebastian war Nagelschmied.
Dieser Grundbucheintrag dokumentiert, dass 1819 Creszenzia Maria, die Witwe des verstorbenen Nagelschmieds Joseph Wittwer, den Nagelschmied Johann Nepomuk Faby heiratete und ihm für 1000 Fl (FL=Florentiner=Gulden) das Eigentum an der Schmiede übertrug.
Im Jahre 1857 erwarb es der Gemeindediener Josef Wüstner für 2300 Fl. Ob der Nagelschmiedebetrieb in dieser Zeit unterbrochen war oder unter anderem Namen weiterlief, ist noch unklar. Laut dem "Reisehandbuch für das Königreich Bayern" von Dr. Julius Bernhard von 1868 gab es zu der Zeit in Sonthofen nur vier Nagelschmieden: Köberle, Bader, Bühl und Mesnanz. Damals wohnte auch der Steinmetz Schraudolph mit seiner Frau im oberen Stockwerk des Hauses, wovon eine alte Rechnung zeugt, die unter den Tapeten gefunden wurde. 1887 erblickte darin deren Sohn Robert Schraudolph das Licht der Welt, der zu einem namhaften Sonthofener Kunstmaler wurde. Kurz vor der Jahrhundertwende wurden Straßenbezeichnungen eingeführt.
Der nächste Eigentümerwechsel fand anno 1890 statt. Nagelschmied Gustav Übelhör übernahm den Betrieb für 4000 Mark. Im Jahre 1907 war auch Gustav's Tag gekommen. Sein Sohn Franz Übelhör sollte nach ihm der letzte Nagelschmied im alten Haus sein. Seine Ehefrau war Hebamme. Franz führte die Schmiede noch sechs Jahre. In dieser Zeit erweiterte er das Anwesen um das östliche Wohnhaus. Die beiden bisherigen Hausnummern 11a und 11b, Erd- und Oberschoss, wurden zu Mühlenweg 1 zusammengelegt und der neue Anbau an der Ostseite hieß künftig Mühlenweg 3. Er wurde fortan nur noch zu Wohnzwecken genutzt.
1913 endete die Zeit der Nagelschmiede. Mit neuen Herstellungsmethoden verlor sie ihre Existenzgrundlage. Doch das Haus im Mühlenweg 1 blieb ein Haus des Handwerks. Schreinermeister Friedrich Möggenried bezahlte 8200 Mark für das Gebäude und betrieb darin mit Lohnarbeitern eine Schreinerei. Die ehemalige Nagelschmiede wurde renoviert und bekam den Hausnamen "Möggenried-Haus".
Als 1949 Friedrich Möggenried starb, bewrtscbaftete seine Witwe Karolina das Haus weiter. Im Nordostteil betrieb das Ehepaar Hans und Lotte Mauerer eine Schneiderei. Als Alois Möggenried, ein Sohn von Friedrich und Karolina, krank aus Kriegsgefangenschaft heimkehrte, begann er hier eine kleinere Schweinezucht. In der Nachkriegszeit wohnten in dem Haus etliche verschiedene Parteien, in einem Doppelzimmer sogar eine Katzenmutter mit Dutzenden ihrer Vierbeiner. 1960 folgte Karolina ihrem Mann.
Alois nahm in diesen Jahren den Betrieb einer Schilderwerkstatt auf. Sieben Jahre später endete auch sein Leben - vorzeitig und tragisch. 1967 wurde er im Gaden (Schlafzimmer) liegend mit zwei Einschüssen im Kopf aufgefunden. Wenige Tage danach richtete sich einer der Hausmitbewohner selbst. Doch das ist eine andere Geschichte.
Die bislang längste bekannte Periode, in der das Haus im Besitz einer Familie war, endete mit dem Verkauf durch die Erbengemeinschaft in jenem Jahr. Der folgende Hauseigentümer lebte nicht mehr selbst darin, sondern quartierte Gastarbeiter ein. 1985 kaufte es eine Baufirma auf, die es zum Abriss vorgesehen hatte. Über 20 Jahre lang verfiel das "Möggenried-Haus" zusehends. 2006 erwarb es die Familie Möggenried zurück, um dieses historische Gebäude, welches seit 1586 zur Geschichte von Sonthofen gehört und 1913 auch zu einem Teil ihrer eigenen Vergangenheit wurde, wieder herzurichten und zu beleben. Als Folge des ersten Weltkriegs 1914 - 1918 wurde auch in Sonthofen, damals noch Marktgemeinde, Notgeld hergestellt
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